Kartoffeln und Gemüse

70 kg Kartoffeln und 85 kg Gemüse essen die Bundesbürger pro Kopf und Jahr. Kaufte man früher auf dem Markt oder beim Gemüsehändler, bringen heute die Discounter mehr als die Hälfte des privaten Konsums an den Kunden, Tendenz weiter steigend. Da Produzenten und Händler den Wasserfußabdruck ihrer Ware nicht angeben, oft auch gar nicht kennen, bleiben vorläufig nur Herkunft und Jahreszeit als Anhaltspunkte. Was wir am Beispiel von Kartoffeln und Tomaten erläutern, gilt im Prinzip für viele Gemüse. 

Aus Nordafrika und Israel importierte Frühkartoffeln sind deutlich wasserintensiver als einheimische Lagerkartoffeln

Kartoffeln: Je früher, desto wüster

Obwohl Deutschland mit einem jährlichen Ertrag von 11 Mio. t weltweit an sechster Stelle der Kartoffelerzeuger liegt und rund 2 Mio. t ausführt, werden etwa 130.000 t Frühkartoffeln importiert. Ökologisch ist das unsinnig, denn die heimischen Knollen lassen sich problemlos bis ins Frühjahr lagern. In ihrem Wasserfußabdruck finden sich nur 8 l Bewässerungswasser, den Rest des Bedarfs decken die Niederschläge. Frühkartoffeln aus Ägypten, Israel oder Marokko bilden die Konkurrenz. Die Art und Weise, wie sie produziert werden, gibt zu denken. . In vielen Regionen werden die Wasservorräte schon bald unwiederbringlich geplündert sein.

 

Tomaten zum Erröten

Unter allen Gemüsen ist die Tomate unser Liebling. Im Schnitt verzehrt jeder Bundesbürger etwa 22 kg pro Jahr. Bei der Frischware dominieren Importe aus niederländischen Gewächshäusern sowie spanische Freiland- und Folientomaten den deutschen Markt.

In den Niederlanden werden Tomaten besonders wassereffizient produziert – im Winter allerdings mit hohem Energieaufwand

Tomaten haben in unserem gemäßigten Klima einen vergleichsweise geringen Wasserbedarf. Niederländische Tomatenanbauer kommen mit weniger als 10 l pro kg erzeugter Tomaten aus, nicht zuletzt dank eines effektiven Wasserrecyclings. Tomaten am Mittelmeer brauchen wegen der hohen Temperaturen ein Mehrfaches davon, in Südspanien im Schnitt 85 l, in Sizilien und der Türkei 130 l, und in Ägypten sogar 230 l pro kg. Leider deckt sich dieser Befund nicht mit der CO2-Bilanz. Die fällt, zumindest in der kälteren Jahreszeit, für Gewächshaustomaten aus Westeuropa sehr ungünstig aus, denn dort wird viel Energie zum Heizen und Beleuchten verpulvert – eine Zwickmühle für den Verbraucher. 

Wasserfußabdruck von Spargel in den für uns wichtigsten Herkunftsländern. In der Mittelmeerregion wird er besonders intensiv bewässert

Ist Biogemüse die bessere Wahl?

Eine gute Wassereffizienz und ein nachhaltiger Umgang mit lokalen Wasserreserven gehören bisher nicht zu den Kriterien des Bioanbaus. Gemüse kann also trotz Bio-Siegel einen ähnlich hohen Wasserfuß abdruck haben wie konventionell erzeugtes. Tendenziell schont Bio-Gemüse das Wasser aber wirksamer, denn die Böden im Bio-Anbau sind infolge von Gründüngung humusreicher und besitzen deshalb eine bessere Wasserhaltefähigkeit. Zum anderen wird Wasser nicht durch synthetische Düngemittel und Pestizide verunreinigt. Das entsprechende „graue“ Wasser, in Südeuropa z.B. 20 bis 25 l pro kg Tomaten, kann man dennoch nicht vollständig abziehen, weil die Erträge im Bioanbau geringer sind. 

Empfehlung für den Einkauf

  • Nordafrikanische oder israelische Frühkartoffeln zu kaufen, verschärft den Wassermangel dieser Regionen. Frühkartoffeln aus Südfrankreich, Italien und Zypern, die etwas später auf den Markt kommen, haben zumindest den Winterregen in ihren Heimatländern mitbekommen, brauchten also etwas weniger Bewässerung.
  • Im Winter muss man auf mediterranes Gemüse nicht völlig verzichten. Man kann es aber öfter durch das frische mitteleuropäische Angebot ersetzen: Rosen- und Grünkohl, Wirsing, Lauch, Möhren, Pastinaken, Rote Bete, Schwarzwurzeln.
  • Meist ganz ohne künstliche Bewässerung kommen heimische Frühkartoffeln aus, die ab Juni zu haben sind. Bis dahin sollte man lieber zu vorjährigen Lagerkartoffeln greifen.
  • Für frisches wie weiterverarbeitetes Gemüse gilt: Je weiter nördlich angebaut, desto günstiger der Wasserfußabdruck. Statt für griechischen Spargel, sizilianische Zucchini und südspanische Paprika kann man sich für die entsprechenden Gemüse aus heimischem Anbau entscheiden. Im Sommerhalbjahr ist das kein Problem. 

 

 

Links

Intelligent bewässern im Gartenbau: www.literatur.vti.bund.de/digbib_extern/dk041693.pdf

Tomatenproduktion und -verarbeitung in Italien: http://www.wptc.to/pdf/Italy%202006.pdf

 

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Die Inhalte dieser Seite sind ein Auszug aus dem Ratgeber "Virtuelles Wasser - Weniger Wasser im Einkaufskorb" 
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