Einführung

Die Bewertung des eigenen Konsumverhaltens ist beim virtuellen Wasser etwas schwieriger als beim Klimaschutz, wo weniger CO2-Freisetzung immer sinnvoll ist. Einen wasserschonenden Lebensstil erreicht man nicht allein dadurch, dass man seinen persönlichen Wasserfußabdruck verkleinert. Wichtiger ist es, an den richtigen Stellen anzusetzen und schädliche Wassernutzungen zu vermeiden. Dazu ist auf diesen Seiten und ausführlicher im gedruckten Ratgeber für wichtige Produktgruppen gezeigt, wo es besonders sinnvoll und ohne Einbußen der Lebensqualität auch leicht möglich ist, das eigene Verhalten wasserbewusst zu ändern. Das über die Beispiele verdeutlichte Prinzip lässt sich auf viele andere Alltagsprodukte übertragen.

Jetzt auch noch virtuelles Wasser?

Früher verließ man sich beim Einkaufen auf seine fünf Sinne: Was gut aussah, appetitlich duftete und frisch war, konnte man guten Gewissens essen. Heute soll, was wir konsumieren, fair produziert und gehandelt sowie schadstofffrei und gut für unsere Gesundheit sein, es soll Klima und Umwelt schonen und möglichst den örtlichen Einzelhandel stützen. Die Appelle von Umwelt- oder Verbraucherschützern unter einen Hut zu bekommen, wird immer schwieriger, und manchmal erliegen wir doch gerne den Halbwahrheiten der Werbung. Jetzt sollen wir auch noch auf das „virtuelle Wasser“ achten. – Was ist das überhaupt? 

Ein Beispiel aus dem Garten

Tomaten aus dem eigenen Garten: Wasserschonend produziert mit Gießwasser aus der Regentonne (Foto: Yenwen / iStockphoto)

Karin hat in ihrem Garten ein Tomatenbeet angelegt. Im Juni und Ende Juli regnete es wenig und sie musste öfter gießen. Jetzt kann sie ihre eigenen Tomaten essen. Aus der Größe ihres Beetes und der Menge der geernteten Früchte lässt sich berechnen, wie viel Regen und wie viel Gießwasser für jedes kg Tomaten nötig waren. Diese Anteile an Regen- und Gießwasser kann man auch grafisch als Balken darstellen: Ein langer grüner Balken für den Regen, ein kleinerer blauer für das Bewässerungswasser. Zusammen bilden sie das „virtuelle Wasser“. Selbstverständlich ist dieses Wasser nicht komplett verschwunden, als Wasserdampf ist es durch die Pflanzen in die Atmosphäre gelangt und kehrt irgendwo als Regen auf die Erde zurück. Zunächst wurde es aber verbraucht, weil es für diesen und nicht für einen anderen Zweck genutzt wurde.

Was sich für das Tomatenbeet berechnen lässt, kann man prinzipiell für alle Produkte ermitteln. So erhält man einen „Wasserfußabdruck“.

Die drei Anteile des Wasserfußabdrucks am Beispiel von Tomaten. Problematisch sind hohe Blau- und Grau-Anteile

Harmlose Riesen und gefährliche Zwerge

Allgemein gilt, dass ein Produkt umso problematischer ist, je mehr virtuelles Wasser es enthält. Das gilt aber nicht immer, wie der Vergleich unterschiedlicher Produkte aus unterschiedlichen Klimazonen zeigt: Kakao kommt hauptsächlich aus Äquatorialafrika zu uns. Der Kakaobaum wächst im Tropenklima mit ganzjährig reichlichem Niederschlag und braucht normalerweise keine zusätzliche Bewässerung. Der große Wasserfußabdruck von Kakaobohnen, durchschnittlich 19.928 l/kg, besteht praktisch nur aus grünem Regenwasser.

Auf der anderen Seite stehen südspanische Erdbeeren als Beispiel für „gefährliche Zwerge“. Für 1 kg dieser Früchte wurden „nur“ 209 l Wasser gebraucht, was nicht dramatisch klingt. Dramatisch sind aber die Folgen der Wasserentnahme im Anbaugebiet der spanischen Region Huelva. Die Erdbeeranbauer zapfen ihr Wasser – oft mit illegalen Anlagen – aus den Zuflüssen und dem Grundwasser des Schutzgebiets „Coto de Donana“. Ein unersetzliches Naturreservat blutet aus, nur weil wir glauben, mitten im Winter Erdbeeren essen zu müssen. 

Was kann man tun?

Unabhängig von einzelnen Warengruppen gibt es grundlegende Regeln, um den Import von virtuellem Wasser zu drosseln. Jeder Einzelne kann damit einen Beitrag gegen den Wassermangel in trockenen Ländern leisten: 

  • Besser planen, weniger wegwerfen
  • Aufwändig verpackte Waren meiden
  • Bio statt konventionell
  • Lebensmittel der Region bevorzugen
  • Die Jahreszeit nutzen

 

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Die Inhalte dieser Seite sind ein Auszug aus dem Ratgeber "Virtuelles Wasser - Weniger Wasser im Einkaufskorb" 
Datenquelle: siehe Hinweis auf der Eingangsseite unten